Brandbrief der Kiez-Initiative High-Deck-Siedlung
März 19, 2026

Die Kiez-Initiative High-Deck-Siedlung hat einen Brandbrief an die HOWOGE geschrieben und sammelt dafür aktuell die Unterschriften der Mieter:innen der Wohnsiedlung. Im Folgenden dokumentieren wir den Brandbrief:

 

An die Geschäftsleitung der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mBH
Stefan-Heym-Platz 1
10365 Berlin

 

Brandbrief der Kiez-Initiative High-Deck-Siedlung – Seit Jahren ungelöste Mängel und dringender Handlungsbedarf

 

Sehr geehrte Damen und Herren der Geschäftsführung der HOWOGE,

Wir wenden uns als Mieter:innengemeinschaft der Liegenschaften innerhalb der High-Deck-Siedlung in Süd-Neukölln an Sie. Wir vertreten damit Mieter:innen von rund 2.500 Wohneinheiten. Unterstützt werden wir vom Berliner Mieterverein, der Vernetzung von Mieter:innen bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen sowie von der Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen.
Als Eigentümerin und Verwalterin der High-Deck-Siedlung sind Sie verpflichtet, unsere Häuser und Außenanlagen zu pflegen und instand zu halten. Leider kommen Sie dieser Pflicht nicht nach.
Dieser Brief entsteht nicht aus Ungeduld, sondern aus jahrelanger Frustration und aufgestautem Ärger. Viele von uns leben seit Jahren oder Jahrzehnten in der High-Deck-Siedlung. Ebenso lange sehen wir uns mit gravierenden, immer wieder angezeigten und nicht oder nur unzureichend behobenen Mängeln konfrontiert, welche wir mit unserer Gesundheit, Lebensqualität und Sicherheit teuer bezahlen. Gleichzeitig steigt in regelmäßigen Abständen unsere Warmmiete.

Wir wenden uns an Sie, weil wir nicht länger akzeptieren werden, dass sich der Zustand unserer Wohnungen stetig verschlechtert, während wir gleichzeitig jedes Jahr mehr Miete bezahlen.

 

Eine Liste von Mängeln, die wir flächendeckend in großen Teilen der Siedlung feststellen, sind:

Mängel in Wohnräumen:
· Schimmel
· Wasserschäden, dadurch Schimmelbildung
· Marode und undichte Fenster, dadurch Schimmelbildung
· Defekte Heizungen, teils über Monate und Jahre, dadurch Schimmelbildung
· Schädlingsbefälle durch Ratten, Mäuse, Insekten
· Nicht nutzbare Kellerräume und Fahrradräume
· Fehlende Reinigung der Abflussrohre, Verstopfungen, dadurch starke Geruchsbelästigung
· Legionellenbefälle in vielen Häusern

Mängel außerhalb von Wohnräumen (Treppenhäuser, Keller, Fahrradräume, High-Deck, Grünflächen etc.):
· Immer wieder oder dauerhaft defekte Fahrstühle
· Defekte Schließanlagen an Haus- und Wohnungstüren
· Defekte Klingelanlagen
· Wasserschäden in Treppenhäusern
· Verunreinigungen und mangelhafte Reinigung der Treppenhäuser, Keller- und Fahrradräume
· Marode, nicht nutzbare Aufgänge und Treppen
· Starke Verschmutzung und fehlende Reinigung sowie Bewirtschaftung der Grünflächen
· Gefahr durch Schnee- und Eisglätte
· Defekte Leuchten in den Treppenhäusern und auf dem High-Deck
· Vandalismus-Schäden wie eingeschlagene Scheiben, defekte Türschlösser, Glasscherben etc., die nicht behoben werden

Mangelhafte Kommunikation und Erreichbarkeit der HOWOGE:
· Mangelhafte telefonische und schriftliche Erreichbarkeit der HOWOGE
· Mangelhafte telefonische und schriftliche Erreichbarkeit der Notdienste, Havariedienst, Handwerker, etc.
· Fehlende Erreichbarkeit der Hausmeister sowie deren fehlende Zuständigkeit
· Fehlende Miet-Parkplatzvergabe
· Fehlende Unterstützung von Umzügen innerhalb der Siedlung in kleinere oder größere Wohnungen
· Fehlende Kommunikation per Post von gesundheitsrelevanten Informationen (z.B. Legionellenbefall nur per Aushang in deutscher Sprache)

Wichtig ist an dieser Stelle ausdrücklich festzuhalten: Es handelt sich hierbei nicht um Einzelfälle. Ein Großteil der Mieter:innen sind betroffen, und die geschilderten Mängel ziehen sich durch die gesamte Siedlung.

 

Da die Belange von uns einzelnen Mieter:innen bei Ihnen kein Gehör zu finden scheinen, wenden wir uns nun gemeinsam als Mieter:innengemeinschaft an Sie und richten die folgenden Forderungen an Sie:
– Wir fordern Sie auf, die oben genannten, bekannten Mängel unverzüglich zu beseitigen, und behalten uns andernfalls weitere Schritte zur Durchsetzung unserer Rechte vor.
– Wir fordern von Ihnen feste Ansprechpersonen, die vor Ort kontinuierlich erreichbar sind für die Anliegen der Mieter:innen.
– Wir fordern von Ihnen, die als „Modernisierung“ angekündigten, längst überfälligen Instandhaltungsarbeiten in den Objekten Michael-Bohnen-Ring 12, 14 und 16 nicht durch kommende Mieterhöhungen auf die Mieter:innen umzulegen.
– Wir fordern darüber hinaus von Ihnen eine warmmietenneutrale Sanierung der gesamten Siedlung, die ebenfalls nicht auf die Mieter:innen umgelegt wird, sowie demokratische Mitbestimmung bei allen Sanierungs-, Modernisierungs- und Instandhaltungsprogrammen, z.B. zur Organisation von Ersatzwohnungen.
– Wir fordern von Ihnen die proaktive Umsetzung des Leistbarkeitsversprechens, nach dem Sie dazu verpflichtet sind, dass Ihre Mieter:innen nicht mehr als 27 % ihres Haushaltseinkommens für die Nettokaltmiete bezahlen dürfen.
– Wir fordern Sie auf, in Zukunft zeitnah und zuverlässig auf Mängelanzeigen und sonstige Beschwerden der Mieter:innen zu reagieren.
– Wir fordern von Ihnen eine schriftliche Antwort auf unser Schreiben innerhalb der nächsten zwei Wochen.
– Wir fordern von Ihnen die Einladung zu einem Gespräch unter Moderation des Berliner Mieterverein e.V. innerhalb der nächsten sechs Wochen, um unsere Anliegen zu erläutern und mit Ihnen gemeinsam Lösungen zu finden.

 

Wir erinnern Sie nachdrücklich daran, dass Sie als landeseigenes Wohnungsunternehmen im Auftrag des Senats verpflichtet sind, die Grundrechte gemäß dem Grundgesetz einzuhalten und zu schützen.
Art. 2 Abs. 2 GG „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Art. 14 Abs. 2 GG „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
Wir erwarten, dass Sie Ihren Pflichten nachkommen und eine Antwort von Ihnen innerhalb der gesetzten Fristen.

Die Kiez-Initiative High-Deck-Siedlung